• Sexuelle Gewalt

Neuere Untersuchungen zeigen deutlich: Sexuelle Gewalt findet vor allem in der Familie statt.

Betroffen von sexueller Gewalt sind Kinder aller sozialen Schichten und aller Altersgruppen, auch Kleinkinder und Säuglinge.

Sexuelle Gewalt wird meist (über 90%) von Männern begangen, die den Kindern gut vertraut sind (Vater, Stiefvater, Bruder, Onkel, Großvater, Cousins).

Sie entwickelt sich meist langsam und im Verlauf einer längeren Zeitspanne und beinhaltet nicht nur körperliche Misshandlung. Beim Kind oder Jugendlichen entstehen auch starke seelische Beeinträchtigungen. Die Angst, das Gefühl der Verlassenheit, ein gestörtes Gefühl zum eigenen Körper, das zerbrochene Vertrauen, Schuld und Schamgefühle können das ganze Leben andauern.

Sexuelle Gewalt beeinträchtigt nicht nur das Leben des betroffenen Kindes, sondern auch die Menschen seines engsten Umfeldes.

Die Verantwortung für die Gewalt trägt immer der Täter, unabhängig vom Alter und dem Verhalten des Mädchens oder Jungen.

Wenn Kinder über sexuelle Gewalt sprechen, sagen sie die Wahrheit. Sie müssen starke Scham- und Schuldgefühle überwinden, ehe sie sich jemand anvertrauen.

Wie können Sie von sexueller Gewalt erfahren?

Kinder, die sexueller Gewalt ausgesetzt sind oder waren, geben in der Regel Notsignale, die jedoch nicht immer sprachlich sein müssen.

Solche Hinweise können z.B. sein:

 

  • Angst vor Fremden, Festklammern 
  • Rückzug in sich selbst, Abwendung 
  • Essstörungen, Schlafstörungen, Sprachstörungen 
  • offensichtliche Vermeidung, mit einer bestimmten Person allein zu sein 
  • altersunangemessenes sexuelles Spielen (besonders bei kleineren Kindern)
  • plötzliche Verhaltensänderungen, aggressives oder unterwürfiges Verhalten
  • der Wunsch von Kindern, sich nachts dick anzuziehen bzw. sich nicht ausziehen zu müssen 
  • körperliche Verletzungen oder Krankheiten, Geschlechtskrankheiten 
  • Schulleistungsstörungen 
  • plötzlich auftretende kriminelle Handlungen, z.B. Stehlen 
  • plötzlich wieder Einkoten, Bettnässen 

 

Diese Verhaltensweisen können auch andere Gründe haben. Es ist wichtig, dass Sie das Kind ernst nehmen und den Ursachen nachgehen. 

Was können Sie tun, wenn Sie von sexueller Gewalt erfahren?

Stärken Sie den Mut des Kindes, über die Geschehnisse zu sprechen. Glauben Sie dem Kind.

Vermitteln Sie ihm Geborgenheit und zeigen Sie dem Kind, dass Sie vorbehaltlos hinter ihm stehen.

Lassen Sie dem Betroffenen Zeit und respektieren Sie seinen eventuellen Wunsch nach körperlicher Distanz und Ruhe.

Machen Sie ihm keine Vorwürfe.

Reagieren Sie besonnen. Besprechen Sie mit dem Kind die möglichen weiteren Schritte und Konsequenzen. Scheuen Sie sich nicht, sich mit ihm an eine der nachstehenden Beratungsstellen (unsere Adressenliste) zu wenden.

Vermeiden Sie, dass der Täter davon erfährt, bevor der Schutz des Kindes gewährleistet ist.

Vielleicht ahnen oder wissen Sie von einer Gewaltsituation/-handlung in Ihrer näheren Umgebung oder Sie sind selbst davon betroffen.

Wenn Sie dem Kind helfen, stellen sich Ihnen möglicherweise folgende Probleme:

Verletze ich einen anderen mir nahe stehenden Menschen?

Schneide ich Beziehungen ab?

Stelle ich andere bloß?

Bringe ich meine Existenz oder die anderer in Gefahr?

Probleme dieser Art sollten Sie mit Personen Ihres Vertrauens besprechen. Unterstützung und Hilfestellung erhalten Sie auch hier bei den angegebenen Beratungsstellen.

Was können Sie vorbeugend tun?

Sie, als Eltern, Lehrer/Innen und Erzieher/Innen können das Kind darin stärken, seinen eigenen Wünschen und Gefühlen zu vertrauen. Beachten Sie den Wunsch des Kindes nach Zärtlichkeit und Nähe. Respektieren Sie genauso die von ihm gewollte Distanz. Ist Ihr Kind seiner Gefühle sicher, kann es Situationen erkennen, in denen es gefühlsmäßig oder sexuell ausgenützt wird. Ein selbstsicheres Kind kann leichter seine Kräfte mobilisieren, um Gefahren abzuwehren und sich Hilfe zu holen.

Für das tägliche Miteinander in der Familie und bei Gesprächen mit Ihren Kindern können Ihnen folgende Hinweise und Botschaften behilflich sein:

  • Du darfst bestimmen, wie, wann, wo und von wem Du angefasst werden willst.
  • Du hast das Recht, "Nein" zu sagen, zu allen, die Dich auf eine Art berühren, die Dir nicht gefällt.
  • Du hast das Recht, Dich zu schützen.
  • Du hast z.B. das Recht darauf, alleine zu baden oder zu schlafen.

Wenn irgendjemand von Dir angefasst werden will oder Dich in einer Art anfasst, die Dir nicht gefällt oder die Dir Angst macht, dann solltest Du Dich dagegen wehren.


Dein Körper gehört Dir.

Du bist wichtig!

Berührungen sind für jeden Menschen wichtig. Liebevolle, angenehme und zärtliche Berührungen fühlen sich gut an.
Einige Berührungen passen nicht zu Deinem Gefühl und sind irgendwie komisch, ohne dass Du sagen kannst warum!
Einige verwirren Dich, wie z.B. zu lange und zu feste Umarmungen. Manchmal nutzen Erwachsene Kinder aus: Sie wollen Dich berühren, ohne darauf zu achten, wie Du Dich fühlst. Es kann ein älterer Freund oder auch ein Verwandter sein, der Dich auf eine Art anfasst, die für Dich nicht in Ordnung ist.

Andere haben nicht das Recht, ihre Hände unter Deine Kleider zu schieben oder Dich an Deiner Brust, Deiner Scheide, Deinem Penis oder Deinem Po zu berühren.
Zeige, wie Du Dich fühlst. Erzähle, wenn Du ängstlich, traurig, glücklich oder verunsichert bist. Deine Gefühle sind wichtig. Sie machen Dich einzigartig und Du kannst ihnen vertrauen.

Es ist nicht Deine Schuld, wenn Du körperlich bedrängt wirst. Die Verantwortung liegt immer beim Älteren/Erwachsenen.

Es gibt Geheimnisse, die Spaß machen, z.B. Geburtstagsüberraschungen. Es gibt aber auch Geheimnisse, die Dir Bauchschmerzen oder unangenehme Gefühle bereiten. Sogar wenn Du versprochen hast, nichts zu erzählen: Solche "schlechten" Geheimnisse darfst und sollst Du weitersagen.

Such Dir einen Menschen, der Dir zuhört, glaubt und hilft

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